Ressourcen und Potenziale

Mentale Navigation in eigener Verantwortung

Die Soziale Matrix der sozialen Fertigkeiten

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wenn er auf die Welt kommt braucht er andere Menschen, die sich um ihn kümmern, denn alleine wäre er nicht überlebensfähig. Seine Ursprungsfamilie, in die er hineingeboren wird und in der er aufwächst, ist sein soziales Lernfeld, in dem er innerhalb von ca. sieben Jahren seine Persönlichkeit entwickelt.

Mit den Fragestellungen der Standortbestimmung wird nach Antworten für die sozialen Fertigkeiten gefragt. Sie lassen sich in einer Matrix mit 9 Feldern darstellen, in der z.B. die Zeilen nach Aspekten und die Spalten nach Fähigkeiten geordnet sind:

Matrixzeile 1
Aspekte der Erwartung (Du-Perspektive/Szenario)

  • Fähigkeit: Erkennen/Denken
    Fertigkeit: Identifikation mit dem Outcome
  • Fähigkeit: Erleben/Fühlen
    Fertigkeit: Resonanz als Ausdruck von Kohärenz
  • Fähigkeit: Verhalten/Wollen
    Fertigkeit: Empathie in der Performanz

Matrixzeile 2
Aspekte der Identität (Ich-Perspektive)

  • Fähigkeit: Erkennen/Denken
    Fertigkeit: Identität mit der Rolle
  • Fähigkeit: Erleben/Fühlen
    Fertigkeit: Balance als Ausdruck von Souveränität
  • Fähigkeit: Verhalten/Wollen
    Fertigkeit: Haltung beim Auftreten

Matrixzeile 3
Aspekte der Beziehung (Wir-Perspektive)

  • Fähigkeit: Erkennen/Denken
    Fertigkeit: Integration als Motiv
  • Fähigkeit: Erleben/Fühlen
    Fertigkeit: Harmonie als Ausdruck von Nachhaltigkeit
  • Fähigkeit: Verhalten/Wollen
    Fertigkeit: Koordination im Fokus

Die Grenzen der eigenen Ressourcen erkennen

Unsere Grenzen beruhen auf Anlagen und erlernten Fertigkeiten, die uns für die Bewältigung unserer Aufgaben im Leben zur Verfügung stehen.

Das Lernfeld der Ursprungsfamilie ist durch deren Gegebenheiten begrenzt. Vor allem für die Ausprägung sozialer Fertigkeiten ist die Ursprungsfamilie maßgebend und es ist leicht einzusehen, dass vor allem die Familienkultur für den Umgang miteinander ausschlaggebend ist. Der Hirnforscher Gerhard Hüther meint, dass Menschen bereits mit zwei Erfahrungen auf die Welt kommen

  1. der engen Verbundenheit mit einem anderen Menschen, der Mutter und
  2. das Über-sich-selbst- Hinauswachsen des Kindes im Mutterleib

Wenn Kinder auf die Welt kommen, versuchen sie, diese Erfahrungen unter den unterschiedlichsten Bedingungen wiederzuerleben. Wie ihnen das am besten gelingt, zeigt sich in der Struktur ihrer Persönlichkeit.

  • Menschen wollen sicher überleben. Deshalb sind sie auf eine bestimmte Ausgangssituation für ihre Interaktion fixiert und bestehen darauf.
  • Sie haben den Anspruch, dass die anderen ihre Wertvorstellungen ernst nehmen und keine verletzen. Das ist für sie von größter Bedeutung, weil ihnen nicht bewusst ist, dass sie selbst nicht gut für sich einstehen können. (Sie haben das in ihrer Entwicklung vernachlässigt und neigen eher dazu, sich in der Außenwelt für die Erhaltung ihrer Werte einzusetzen und zu kämpfen.)
  • Ist das alles gegeben, dann können sie ihre Stärken ausspielen, die sie überbetonen und die dadurch in ihrer Persönlichkeit deutlich sichtbar werden.

In der Regel beginnen Menschen eine Kommunikation mit einer positiv kooperativen Einstellung. Wenn Kommunikationspartner darauf einsteigen, bleiben sie dabei. Steigen sie nicht darauf ein, wechseln sie in eine symmetrische Kommunikation (Tit for Tat, n. Steve de Shazer) und warten darauf, dass die anderen sich umstellen und es dann positiv weitergeht. Stellen sie sich aber nicht um, dann kann es zur Eskalation kommen, die in der Transaktionsanalyse als Täter-Opfer-Retter-Spiel im Drama Dreieck bezeichnet wird.

Das macht deutlich, dass die Menschen ihr Sozialverhalten von der Reaktion ihrer Umwelt abhängig machen, also vom Verhalten ihrer Mitmenschen in einem Szenario! Das scheint ihnen aus ihren Erfahrungen die erfolgreichste Überlebensstrategie zu sein. Deshalb behalten sie diese auch automatisiert bei.

Obwohl diese Lösung durchaus erfolgreich ist, führt sie aber auch zu erheblichen Einschränkungen / Begrenzungen, denn andere Menschen haben auch ihre besten Wege gefunden, die nach demselben Muster funktionieren, aber auf anderen Identitäten, Erwartungen und Beziehungen beruhen. Jeder dieser Wege führt zu einem anderen Weltbild jeder hält dieses für die Realität. Aber es ist nur seine Realität, in der er sich bewegt.

Das findet in den üblichen Meinungsverschiedenheiten über Probleme, Lösungswege, Konflikte u.a. seinen Ausdruck.

Die Chancen ungenutzter Potenziale erkennen

Wenn wir an die Grenzen unserer Ressourcen stoßen, scheinen wir mit unserem Latein am Ende zu sein. Dieser Eindruck trügt, denn unsere Ressourcen stehen am Ende einer Entwicklung, die einmal mit einer Wahl begonnen hat, auch wenn diese aufgrund von erlebten Ereignissen und daraus abgeleiteten Erfahrungen von uns unbewusst vollzogen wurde.

Aus einer Metaebene betrachten

Andere Menschen haben anderes erlebt, andere Erfahrungen gemacht und dadurch andere Ressourcen entwickelt! Alle diese unterschiedlichen Wege sind erfolgreiche Wege der Lebensbewältigung, aber eben mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Es liegt also nahe, dass wir andere Ressourcen entwickelt hätten, wenn wir mit unserem früheren Erleben anders umgegangen wären. Dann hätte die Umwelt anders reagiert und wir hätten andere Erfahrungen machen können. Aber dann wären unsere Einschränkungen eben an einer anderen Stelle. Das entscheidende bei der Entwicklung unserer Ressourcen sind die Abweichungen von der eingangs erwähnten idealen Sozialen Matrix mit gleich großen Feldern. Sie sind individuelle Verzerrungen, die durch Fixierungen, Vernachlässigungen und Überbetonungen entstehen.

Mit den Antworten auf die bei der Standortbestimmung aufgeführten Fragen, und der Berücksichtigung unserer Fixierung, Vernachlässigung und Überbetonung finden wir die Auflösung unseres „Lebensrätsels“ auf eine Skala von 1 bis 9. Die in der Matrix vorhandenen Quadrate zeigen an, dass dort ihre Bewertungen der Aspekte/Perspektiven und der Fähigkeiten gleich groß sind.

  • Fixierung (mittel)
    4 ist unsere Fixierung, die zwar als starre Fixierung falsch ist, aber trotzdem bereits ausreichend entwickelt wurde. Sie haben bereits die Bedeutung dieser sozialen Fertigkeit erkannt, denn ihre Ausprägung haben sie als einzige qualitativ angemessen bewertet.
  • Vernachlässigung (klein)
    1 – 3 sind vernachlässigt entwickelte Ressourcen, also Potenziale, die wir uns noch nicht vollständig erschlossen haben. Diese Fertigkeiten haben Sie alle in ihrer Bedeutung für das Sozialverhalten unterbewertet und haben ihre Ausprägung daher vernachlässigt. Offenbar waren Sie in ihrem damaligen Lernfeld in diesen Fertigkeiten nicht gefordert und wurden auch nicht gefördert.
  • Überbetonung (groß)
    5 – 9 sind überbetont und müssen zurückgenommen werden. Solange diese Funktionen überbetont sind, können Sie Ihr Potenzial nicht nutzen! Es sind die größten stärksten Ressourcen Ihrer Persönlichkeit, die aber gleichzeitig verhindern, dass Sie weiteres Potenzial entfalten können, weil Sie Ihre Energie nicht für die Gemeinschaft, sondern für eigene kompensatorische Zwecke einsetzen! Damit verpufft die dafür eingesetzte Energie.

Die Soziale Innovation macht’s möglich!

Nun können Sie sicher erkennen, worin der Nutzen einer Sozialen Innovation liegt. Sie erkennen eine gewisse Disharmonie in ihrer Persönlichkeit und können erkennen, wo Sie den Hebel, vom Grundsatz her, ansetzen müssen, nämlich dort, wo Sie aus größeren Fehlern kleinere machen können, d.h. Ihre Fixierungen, Vernachlässigungen und Überbetonungen verringern und dadurch in konkreten Szenarien die Wahlmöglichkeiten Ihres Sozialverhaltens erhöhen!

Das ist die Voraussetzung dafür, dass Sie erkennen, was sich wirklich hinter den Schlagwörtern Mindset, Agilität, und New Work verbirgt! Der Weg dorthin lässt sich nicht abkürzen. Sonst laufen sie nur Gefahr, dass Sie „mehr desselben“ machen, dem Erfolg nachjagen, aber nicht zu Ihrer Erfüllung gelangen und der Gemeinschaft des Unternehmens keinen guten Dienst tun. Das ist die schlechte Nachricht!

Die gute Nachricht ist, dass Sie das Leben dabei unterstützt, wenn Sie sich auf den richtigen Weg begeben!
Versuchen Sie nicht die Welt zu verändern! Bei einem solchen Vorhaben treffen Sie auf viele, die das auch wollen, dabei aber anders vorgehen, als Sie und Sie dadurch ausbremsen und behindern. Es genügt, wenn Sie sich ändern, dann verändert sich auch die Welt in der Sie leben, nämlich Ihre Welt, über die Sie als einzigen Bereich in Ihrem Leben, die volle Regie haben!