Freiwillig höherwertige Ordnungen einhalten

SystemDynamische Transformation als soziale Kompetenz

Stabile dynamische Muster

Leben ist in Bewegung und verändert sich. Dennoch kann man beobachten, dass sich erkennbare Muster bilden, die über längere Zeit stabil bleiben. Da jedoch jedes System ständig irgendwelchen Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, müssen in seinem Inneren entsprechende Veränderungen stattfinden, wenn äußerlich sichtbare Muster erhalten bleiben sollen. Derartige Veränderungen müssen kohärent stattfinden, d.h.sie müssen aufeinander abgestimmt sein.

So etwas geschieht z.B. in einem Organismus, sozusagen auf freiwilliger Basis. Deshalb ist es so wichtig, dass Unternehmensführungen nicht länger ihr Unternehmen als eine Maschine betrachten, deren Rädchen möglichst reibungslos ineinandergreifen, sondern als einen lebendigen Organismus, der trotz seiner Komplexität eine Einheit darstellt.

Die Dynamik in Unternehmen

Gestützt wird diese Vorstellung vom Luhmann’schen Verständnis eines Unternehmens als Kommunikationssystem und den Unternehmensmitgliedern als eine seiner relevanten Umwelten. Das Bewusstsein, der in einem Unternehmen beschäftigten Menschen verpflichtet sich zur Übernahme bestimmter Rollenfunktionen, die zwar vertraglich als Rahmenvereinbarung geschlossen werden, in Wirklichkeit aber durch die Identifikation mit der Rollenfunktion freiwillig eingebracht werden. Diese Motivation durch Identifikation zieht sich durch alle Ebenen des Unternehmens bis zur Unternehmensführung fort, und nur so kann die Komplexität eines Unternehmens auf einer hohe Kulturstufe zu einer Corporate Identity finden, die erfolgreich im Markt agiert.

Freiheit und Ordnung sind keine Gegensätze

Freiheit und Ordnung sind im Leben keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Nur auf der materiellen Ebene führt Ordnung ohne Freiheit zum Zwang und Freiheit ohne Ordnung ins Chaos. Heute schreit alle Welt nach Freiheit, scheint aber diese Freiheit nicht dazu benutzen zu wollen, sich freiwillig zu einer sinnvollen Ordnung zu verpflichten. Die heutige von Unternehmen beklagte VUKA-Welt ist ein Symptom dieser Entwicklung. Den Freiheitsgrad der Wirtschaft wurde mit jedem industriellen Entwicklungsschritt erhöht und gipfelt heute in den chaotischen Verhältnisse der Globalisierung. Von außen lassen sich solche Systeme nicht regulieren. Wir sind gezwungen, von der Außensteuerung auf Innensteuerung umzuschalten, wenn sich die Verhältnisse bessern sollen. Durch eine entsprechende Einsicht in die Zusammenhänge, ließen sich die Verhältnisse sogar schnell verbessern.

Die Lösung liegt im passenden Umgang mit Komplexität

Der Schlüssel zu dieser Einsicht ist der Begriff der Komplexität. Unser Bewusstsein ist auf „einfaches“ Überleben in einer komplexen Lebenswelt eingerichtet. Dass diese Strategie durchaus ihre Berechtigung hat, zeigt sich dadurch, dass die Weltbevölkerung bis jetzt durchaus überlebt hat. Doch die Natur mit ihrer Ökologie zeigt uns, dass da noch mehr „drin“ ist. Nicht nur das Pflichtproramm als Individuum zu überleben, sondern als Kür, die Vielfalt des Lebens zu feiern. In der Einfältigkeit unseres Überlebensbewusstsein haben wir die Komplexität der Natur reduziert und bestimmte Zusammenhänge auf Maschinenniveau reduziert. Dadurch haben wir uns eine technologische Parallelwelt geschaffen, die zwar großartige Ergebnisse geschaffen hat, aber dazu führt, unsere natürliche Lebensgrundlage Zug um Zug zu zerstören, wenn wir dieser Entwicklung nicht intelligent Einhalt gebieten.

Wir dürfen nicht länger durch unsere Naturwissenschaft nur zu der einen Erkenntnissen gelangen, mit der wir über unsere Technologien die Natur wirtschaftlich rigoros ausbeuten, nur um Profit zu machen und uns dabei noch „groß“ zu fühlen.

Wir müssen weiser werden. Das gelingt uns jedoch nur, wenn wir die Fähigkeiten, die wir von der Natur bekommen haben, dazu nutzen, unser Bewusstsein zu transformieren und seine Komplexität zu erhöhen, damit wir uns in die Lage versetzen, die bisher erlernten Überlebensstrategien nicht gegeneinander konkurrierend auszuspielen, sondern unsere naturgegebene Begrenzung der Erkenntnisfähigkeit zu steigern, eine Erkenntnisfähigkeit durch gemeinsames Lernen an einer gemeinschaftlichen Aufgabe üben, das Geschenk des Lebens auszuleben.

Lernen und Entlernen

„Lernen und Entlernen sind Veränderungen von Unterscheidungsschemata, die traditionell „Wissen“ genannt werden. Nichtlernen hingegen ist die Aufrechterhaltung dieses Wissens.“ (Simon, 1997)

Alles was wir bisher gelernt haben, haben wir durch Interaktion mit unseren relevanten Umwelten gelernt. Um weiterlernen zu können, müssen wir jetzt nicht nur vom Handeln anderer Lernen, sondern auch von ihrem Denken. Nur auf einer höheren Ebene können wir unsere eigenen Unterscheidungen hinterfragen und erkennen, dass wir zu anderen Erkenntnissen gelangt wären, wenn wir anders unterschieden hätten. Nutzen wir doch einfach die Erkenntnisse anderer, um sie mit den unseren zu einem in sich stimmigen Gesamtbild zusammenzufügen. Dazu sind mehrere hierarchische Erkenntnisstufen notwendig. Auf jeder Stufe muss immer wieder von neuem ein Abgleich, eine Anpassung erfolgen, um die innere Stimmigkeit zu erreichen. Die Naturwissenschaft mag uns einen unendlichen Wissensfortschritt bringen. Der unendliche Weisheitsfortschritt vollzieht sich auf immer höheren Erkenntnisebenen und zeigt sich in der Einheit der Vielheit als Komplexität.